Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Der  Staatssozialismus.

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gegen  welche  die  Unternehmer  in  öffentlichen  Niederlagen  eine  gleichwertige ­
  Menge  Produkte  abliefern  müssen  (deren  Wert  in  Arbeit
geschätzt  ist),  und  zum  Schluß  mögen  sich  die  Arbeiter,  die  von  ihren
Unternehmern  in  Lohnbons  bezahlt  werden,  in  den  öffentlichen  Niederlagen ­
  auf  Grund  dieser  Lohnbons  mit  dem,  dessen  sie  bedürfen,  versehen. ­
  Die  Schätzung  des  in  Arbeit  ausgedrückten  nationalen  Produktes ­
  würde  von  Zeit  zu  Zeit  wiederholt  werden  müssen.  Damit
der  Bruchteil  dieses  Produktes,  der  den  Lohn  darstellt,  stets  der
gleiche  bleibt,  muß  der  Staat  die  absolute  Zahl  dieser  Lohnbons  mit
dem  Fortschritt  der  Produktion  vermehren.  So  würde  der  von  Eoobeetus
  verfolgte  Zweck,  die  automatische  Beteiligung  der  Arbeiterklassen ­
  am  Fortschritt  der  nationalen  Produktion,  erreicht  sein r ).
Dies  ist  das  Projekt  unseres  Autors.  /
Es  ist  unnötig  (ohne  von  den  praktischen  Schwierigkeiten  zu
sprechen),  hier  auf  die  wirtschaftlichen  Unmöglichkeiten  dieses  Vorschlages ­
  einzugehen.  Wenn  wir  ihn  erwähnt  haben,  so  beruht  dies
auf  zwei  Gründen.  Zunächst  um  die  Mühe  darzulegen,  die  Eodberttjs
sich  gemacht  hat,  um  ein  „Kompromiß“,  wie  er  sagt,  zwischen
der  bestehenden  Gesellschaft  und  der  kollektivistischen  Gesellschaft
der  Zukunft  zu  finden.  Während  Marx  anscheinend  gleichgültig  der
wachsenden  Proletarisierung  der  Arbeiter  zusieht,  die  er  als  Vorstufe
zu  ihrer  endgültigen  Erlösung  betrachtet,  will  Kodbebtus  so  schnell
wie  möglich  den  drückendsten  Übelständen  Abhilfe  schaffen  und
schon  jetzt  die  Lage  der  Arbeiter  verbessern 1  2 ).  Aber  dieser
Plan  zeigt  vor  allem  das  außerordentliche  Vertrauen,  das  Eou-BEuxus
  in  die  Allmacht  des  Staates  hat,  in  die  Macht  der  Eegierungen,
  diejenigen  menschlichen  Handlungen  ihrem  Willen  zu  unterwerfen, ­
  deren  Unabhängigkeit  der  Mensch  bisher  am  eifersüchtigsten
gewahrt  hat,  und  gleichzeitig  seine  völlige  Gleichgültigkeit  für  die
individuelle  Freiheit  als  Hebel  der  Wirtschaft.
Im  Maße,  wie  der  Gedanke  Eodbeetus’  sich  entwickelt,  wandelt
sich  diese  Gleichgültigkeit  gegenüber  der  individuellen  Freiheit  in
eine  immer  lebhaftere  Feindschaft.  Sein  Vertrauen  in  die  Zentralgewalt ­
  wird  dagegen  immer  stärker,  und  in  seinen  letzten  historischen
Werken  legt  er  eine  organische  Gesellschaftstheorie  dar,  die  ihr  als

1 )  Vgl.  Kapital,  S.  12511.  und  besonders  seinen  Aufsatz:  der  Normalarbeitstag,
  der  1871  erschien  und  in  den  Briefen  und  sozialpolitischen
Aufsätzen,  S.  55211.  wieder  abgedruekt  worden  ist.  —  Der  Gedanke,  den  Wert
zu  bilden,  wie  es  Mer  Eodbektus  versucht,  war  schon  1847  von  Mabx  in  seiner
Misere  de  la  Philosophie  mit  Bezug  auf  Pkoudhnon  kritisiert  worden.  Für
ihn  zieht  die  Sozialisation  der  Produktion  die  des  Tausches  nach  sich.  Auch  das  ist
ein  Punkt,  in  dem  Marx  und  Eodbektus  verschiedener  Meinung  sind.
2 )  Vgl.  Kapital,  S.  229,  Anm.
            
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