Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
sehr einfache Verrichtungen, oft nur auf ein oder zwei, beschränkt 
wird“. Nämlich: „Ein Mensch, der sein ganzes Leben damit hinbringt, 
ein paar einfache Operationen zu vollziehen, deren Erfolg vielleicht 
immer derselbe oder wenigstens ein ziemlich ähnlicher ist, hat keine 
Gelegenheit, seinen Verstand zu üben oder seine Erfindungskraft an 
zustrengen, um Hilfsmittel gegen Schwierigkeiten aufzusuchen, die 
ihm niemals begegnen. Er verliert also natürlich die Fähigkeit zu 
solchen Übungen und wird am Ende so unwissend und dumm, als es 
nur immer ein menschliches Wesen werden kann 1 ).“ 
Zwischen diesen Ausführungen und den oben ausgeführten Ge 
danken scheint ein Widerspruch zu bestehen. Weiter oben stellt 
Smith die Beschäftigung mit ein und derselben Arbeit als eine Quelle 
der Erfindungen hin; — hier ist sie die Ursache der Verblödung des 
Arbeiters. Der Widerspruch ist mehr scheinbar als wirklich, denn 
dieselbe Beschäftigung, die die Einbildung zuerst anspornen mag, 
kann später durch ihre Eintönigkeit eine Erschlaffung der Intelligenz 
nach sich ziehen. Auf jeden Fall ist der Schluß, den A. Smith aus 
seiner Bemerkung zieht, sehr interessant. Um den Nachteilen dieses 
Übermaßes von Spezialisierung zu begegnen, legt er besonderen Wert 
auf die Notwendigkeit, den Elementarunterricht (der in Lesen, Schreiben 
und Rechnen besteht) 2 ) dem Volke durch die Errichtung von teil 
weise auf Staatskosten unterhaltenen Elementarschulen zu erleichtern 
und „sogar aufzuzwingen“. Man bemerke hier diesen Verstoß gegen 
sein eigenes Prinzip der Nichteinmischung des Staates! Wir werden 
weiterhin sehen, daß er nicht der einzige geblieben ist. 
Um seine Ausführungen betreffs der Arbeitsteilung zu vervoll 
ständigen, bezeichnet Smith endlich die Grenzen, an denen sie Halt 
machen muß. Er erwähnt zwei; Erstens die Ausdehnung des Marktes: 
„Wenn der Markt sehr beschränkt ist, so kann niemand sich ermutigt 
finden, sich einer einzigen Beschäftigung ganz hinzugeben, weil es 
an der Möglichkeit fehlt, jenen ganzen Produktenüberschuß seiner 
Arbeit, der weit über seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, für solche 
Produkte der Arbeit anderer, die er gerade braucht, auszutauschen 3 ).“ 
Deshalb begünstigt der Handel mit den Kolonien und mit dem Aus 
lande, der den Markt der Nationalindustrie vergrößert, die Arbeits 
teilung und vermehrt den Reichtum. — Der andere Umstand, der 
nach Smith die Arbeitsteilung begrenzt, ist die vorherige Kapital- 
') Ebenda II, S. 215, B. V, Kap. I, Teil 3, § 2. 
2 ) „Mit einem sehr geringen Aufwands kann der Staat beinahe dieser ganzen 
groben Yolksklasse die Erlernung dieser wesentlichsten Unterriohtsgegenstände er 
leichtern, kann sie dazu ermuntern und kann sie ihr sogar zur unerläßlichen Be 
dingung machen“ (Lesen, Schreiben und Rechnen), II, 8. 217, B. V, Kap. I, Teil 3, § 2. 
s ) I, S. 10, B. I, Kap. III.
	        
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