Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II,  Adam  Smith.

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Ansammlung 1 ).  Diese  Bemerkung  ist  aber  viel  Aveniger  genau  als  die
vorhergehende.  Smith  scheint  hier  von  einer  einzelnen  Unternehmung
auf  die  Gesamtheit  der  Gesellschaft  geschlossen  zu  haben.  Wenn  es
wahr  ist,  daß  ein  Fabrikant  in  seiner  Fabrik  die  technische  Arbeitsteilung ­
  um  so  höher  vervollkommnen  kann,  je  größer  seine  Kapitalkraft ­
  ist,  so  ist  es  umgekehrt  klar,  daß  in  der  Gesamtheit  der
Gesellschaft  gerade  die  Arbeitsteilung  jeder  einzelnen  Person  eine
vorhergehende  Ansammlung  von  Kapitalien  erspart,  die  sie  haben
müßte,  um,  wenn  sie  allein  lebte,  die  gleiche  Arbeit  auszuführen 2 ).
Dies  ist  in  ihren  Hauptzügen  die  Theorie  der  Arbeitsteilung  von
A.  Smith,  eine  Theorie,  die  heute  jedem  so  bekannt  ist,  daß  wir  oft
Mühe  haben,  ihre  Bedeutung  und  Originalität  zu  erfassen,  obgleich
sie  von  gewissen  Soziologen  (Dürkheim)  zu  dem  Bang  einer  Grundlage ­
  der  Moral  erhoben  worden  ist.  Es  genügt  jedoch,  sie  der  physiokratischen
  Auffassung  der  Gesellschaft  gegenüberzustellen,  um  ihre
Überlegenheit  ersichtlich  zu  machen.
“Die  Physiokraten  stellten  sich  die  Volkswirtschaft  unter  einer
Reihe  von  überein  andergelagerten  Klassenschichten  vor.  Die
Landleute  trugen  gewissermaßen  auf  ihren  Schultern  den  ganzen  Rest
Ger  Gesellschaft,  dem  sie  einen  Teil  des  von  ihnen  dem  Boden  selbst
abgeAvonneneu  Nahrungssaftes  abgaben.  Daher  kam  die  überwiegende
Bedeutung  der  landwirtschaftlichen  Klasse,  und  die  Notwendigkeit,
Ihren  Interessen  das  ganze  volkswirtschaftliche  System  unterzuordnen.
‘Smith  betrachtet  im  Gegenteil  die  soziale  Gütererzeugung  in  ihrer
Gesamtheit  als  das  Ergebnis  einer  Reihe  von  nebeneinander  bestehenden ­
  und  aufeinander  angewiesenen  Unternehmungen,  zwischen
heuen  der  Güteraustausch  die  Verbindung  herstellt.  Der  Fortschritt
eines  jeden  Tätigkeitszweiges  ist  daher  eng  mit  dem  Fortschritt  aller
anderen  verbunden.  Keine  der  jedem  Tätigkeitsziveige  entsprechenden
Klassen  hat  die  alleinige  Aufgabe,  für  den  Lebensunterhalt  der  anderen
zu  sorgen.  Sie  sind  alle  gleicherweise  unentbehrlich*  Der  Handwerker,
her  dem  Landarbeiter  die  Mühe  des  Baues  seines  Hauses  oder  der  Anfertigung ­
  seiner  Kleider  erspart,  trägt  unter  dieser  Form  zur  Vermehrun
 g  des  landwirtschaftlichen  Produktes  bei,  ebenso  wie  der  Landweiter,
  indem  er  es  dem  Handwerker  erspart,  Furchen  zu  ziehen
')  „Wie  die  Aufhäufung  des  Vorrates  naturgemäß  der  Arbeitsteilung  vorhergehen
Wuß i  so  kann  auch  die  Arbeit  nur  in  dem  Maße  mehr  und  mehr  geteilt  werden,  als
^orher  Vorrat  aufgesammelt  worden  ist“  (I,  S.  160,  B.  II,  Ein!.).  An  einer  anderen
^  11®  bemerkt  er  allerdings,  daß  die  Menge  des  Kapitals,  die  in  einer  Industrie  zur
Verwendung  gelangen  kann  „sehr  von  der  Menge  der  Arbeit  abhängt,  welche  darin
an tgewendet  wird“  (I,  S.  79,  B.  I,  Kap.  X,  Teil  2),  aber  diese  Bemerkung  bleibt
vereinzelt,  während  die  erstere  mit  seinen  wirklichen  Gedanken  übereinstimmt.
.  2 )  Vgl.  die  eingehende  Kritik  dieses  Gedankens  Smith’s  von  Cannan,  op.
Clt -  S.  80-83.
            
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