Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Flnänzwirtschaft.

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minister,  der  nunmehr  erhebliche  Summen  zur  Reorganisation  einzelner
Teile  der  militärischen  Ausrüstung  benötigte.  Sie  waren  es  zum  großen
Teil,  die  jene  bekannten  erbitterten,  parteipolitischen  Kämpfe  ausiösten
und  Schwierigkeiten  in  der  Bilanzierung  des  Staatsbudgets  hervorriefen.
Für  1913  waren  dem  Kriegsminister  300,00  Mill.  Frcs.  außergewöhnliche
Kredite  zur  Bestreitung  seiner  Ausgaben  bewilligt  und  für  1914  schon  487,00
Mill.  Frcs.  Diese  Summen  hoben  sich  beträchtlich  ab  von  den  bisher  für
das  Ressort  „Krieg“  ausgeworfenen  Beträgen.  In  den  Jahren  von  1890
bis  1900  erreichten  sie  im  Durchschnitt  50  bis  60  Mill.  Frcs.  —  die  höchste
Ziffer  wurde  1891  erreicht  mit  125,00  Mill.  Frcs.,  die  tiefste  1896  mit
36,00  Mill.  Frcs.  —  und  auch  in  der  Zeit  von  1900—1912  überschreiten
sie  100,00  Mill.  Frcs.  nur  zweimal. 1 )  Mit  dem  Hinweis  auf  Deutschland,
das  bedeutend  erheblichere  Summen  für  die  gesamte  Verwaltung  des
Reichsheeres  aufwandte,  wurde  das  Verlangen  nach  einer  stärkeren
Speisung  des  Kriegsressorts  begründet.
Bei  der  Aufstellung  des  Budgets  für  das  Jahr  1914  ergaben  sich
die  größten  Schwierigkeiten  in  der  Bilanzierung  des  errechneten  Defizits.
Das  Budget  umfaßte  ordentliche  Ausgaben  in  Höhe  von  5191,00  Mill.
Frcs.,  denen  ein  überaus  optimistisch  veranschlagter  Einnahmebetrag
von  4781,00  Mill.  Frcs.  entgegengestellt  wurde.  Zum  Ausgleich  des  resultierenden ­
  Defizits  von  410,00  Mill.  Frcs.  wurde  eine  neue  Einnahmequelle ­
  geschaffen,  der  man  den  etwas  dehnbaren  Namen  „außergewöhnliche ­
  Einnahmen“  gab,  und  die  wenigstens  auf  dem  Papier  das  erwünschte ­
  Gleichgewicht  herzustellen  hatte.  Tatsächlich  aber  kamen  zu
den  an  und  für  sich  schon  unhaltbaren  Höherbewertungen  der  einzuinen
Einnahmeposten  im  Etat  noch  auf  der  Ausgabeseite  eine  Reihe  von
außergewöhnlichen  Zuwendungen  an  einzelne  Ressorts  hinzu,  die  das
Bild  wesentlich  veränderten.  Denn  in  den  ordentlichen  Ausgaben  wurden
u.  a.  die  Kosten  nicht  eingeschlossen,  die  durch  die  militärische  Besetzung
von  Marokko  entstanden,  und  die  auf  231,00  Mill.  Frcs.  geschätzt  wurden.
Für  die  Ausgaben  des  Kriegsministers  im  außerordentlichen  Etat  setzte
man  weiterhin  für  das  zu  balanzierende  Finanzjahr  einen  Betrag  von

1 )  Eine  Gegenüberstellung  der  Militärausgabeu  Frankreichs  und  Deutschlands  gibt
L  a  c  h  a  p  e  11  e  ,  a.  a.  O.  S.  106.  Nach  ihm  waren  die  Summen  wie  folgt  (in  Mill.  Frcs.):

Jahr

Frankreich

Deutschland

Jahr

Frankreich

Deutschland

1891

125,00

170,00

1902

55,00

119,00

1892

86,00

176,00

1903

35,00

105,00

1893

58,00

190,00

1904

40,00

91,00

1894

54,00

169,00

1905

59,00

137,00

1895

44,00

113,00

1906

138,00

159,00

1896

36,00

116,00

1907

92,00

193,00

1897

55,00

148,00

1908

60,00

241,00

1898

82,00

149,00

1909

72,00

205,00

1899

109,00

160,00

1910

98,00

142,00

IQOO

87,00

149,00

I9II

93,00

142,00

1901

72,00

143,00

1912

119,00

208,00
            
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