Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

Schuld  von  1608,00  Mill.  Frcs.  gegenüber.  Hiervon  entfielen  auf  die
ausgegebenen  Schatzscheine  427,00  Mill.  Frcs.  Demnach  stand  also
das  Schatzamt  am  Vorabend  des  Krieges  mit  1178,00  Mill.  Frcs.  im
Debet.  Gewiß  ist  dies  für  die  Beurteilung  der  finanziellen  und  wirtschaftlichen ­
  Quellen  des  Landes  kein  betrübendes  oder  beängstigendes  Zeichen.
Es  legt  nur  die  Schwierigkeiten  dar,  die  das  Schatzamt  in  der  Heranziehung ­
  von  Kapitalien  in  die  Staatskasse  zu  überwinden  hatte.
Durch  den  Krieg  ist  die  Finanzverwaltung  vor  neue  Aufgaben  gestellt. ­
  Die  alten  Pläne  mußten  einer  Revision  unterzogen  werden,  das
Staatsbudget,  die  Deckung  des  Defizits,  kurz  der  ganze  finanzielle  Staatshaushalt ­
  erlitten  eine  vollkommene  Umänderung.  Es  galt  nunmehr,
alles  auf  die  außergewöhnlichen  und  eigenartigen  Erfordernisse  der
Kriegswirtschaft  einzustellen  und  als  einziges  Ziel  eine  methodisch  angelegte ­
  und  systematisch  verfolgte  Kriegsfinanzierungspolitik
zu  treiben.  Alle  anderen  Ziele  traten  naturgemäß  hinter  die  neue,  gewaltige ­
  Aufgabe  weit  zurück.
Die  große  Frage,  worin  liegt  die  Lösung  des  Problems  der  Kriegsfinanzierung, ­
  die  im  Staatshaushalt  jetzt  die  allererste  Stelle  einnimmt,
war  Licht  zu  beantworten.  Von  vornherein  stand  in  dem  ersten  Dunkel,
fest,  daß  der  gigantische  Kampf  auch  gigantische  Summen  von  Geldern
zur  entschlossenen  und  finanziell  unbehinderten  Kriegführung  erfordern
würde.  Daher  sind  alle  nur  verfügbaren  Kapitalien  zuvörderst  für  die
Kriegsfinanzierung  heranzuziehen  oder  zum  mindesten  für  jeden  Bedarfsfall ­
  immer  frühzeitig  bereitzustellen.  Aber  wie  klar  und  scharf
auch  die  Richtung  erkannt  war  und  wie  entschlossen  auch  die  führenden
Männer  sein  mochten,  von  ihr  nicht  abzuweichen  und  dadurch  den
Erfolg  der  Kriegsfinanzierung  in  Frage  zu  stellen,  gegen  die  natürlichen
Kräfte,  gegen  grundlegende  Leistungsunfähigkeit  und  für  das  Land  ungünstige ­
  Kriegsereignisse  können  sie  nicht  ankämpfen.
Für  eine  hinreichende  und  gesicherte  Deckung  der  Kriegskosten
stehen  dem  Schatzamte  verschiedene  Wege  und  Mittel  zur  Verfügung,
so  daß  etwaige  Schwierigkeiten  aus  der  Wirtschafts-  oder  Kriegslage  dennoch ­
  überwunden  oder  umgangen  werden  können.  In  erster  Linie  kann
die  Zentralnotenbank  in  den  Kriegsdienst  gestellt  werden.  Es  ist  dies
ein  Zug,  der  bei  allen  kriegführenden  Staaten  Europas  zu  beobachten  ist.
Diese  Hilfeleistung  der  Notenbank  soll  aber  nur  erste  Hilfe  sein,  sie  darf
von  keiner  langen  Dauer  sein  und  nicht  zu  einer  unlimitierten  Festlegung
ihrer  flüssigen  Mittel  führen.  Vielmehr  muß  der  Staat  nach  kürzerer
Zeit  seine  Schulden  ablösen,  um  die  Kraft  der  Notenbank  für  ihre  übrigen
wichtigen  Aufgaben  nicht  allzusehr  zu  schwächen,  und  diese  Notwendigkeit ­
  zwingt  ihn,  sich  eine  andere  ergiebige  Kapitalquelle  zu  erschließen.
Für  größere  Zeitperioden  und  unbegrenzte  Summen  ist  daher  nur  eine
fest  fundierte  Anleihe  das  gegebene  Mittel.  Das  Volk  soll,  nach  den
ersten  Diensten  der  Notenbank,  auch  sein  Gut  für  die  glückliche  und
tatkräftige  Durchführung  des  Krieges  bereitstellen  und  nötigenfalls
opfern.  Ist  aber  die  heimische  Wirtschaft  zu  schwach  oder  nicht  ge ­
            
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