thumbs: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Im 24. Bezirk war das Verhältnis ebenso beschaffen: der hier zum 
erstenmal zur Wahl stehende Sozialdemokrat P. Schneider erhielt 2901 
gegen 36 Stimmen, und mit gleichem Stimmenverhältnis waren schon 1901 
-er 12., 34., 35., 36. und 48. Bezirk teils erobert und teils behauptet 
worden. In den Stadtvierteln, wo die Arbeiterbevölkerung überwiegt, waren 
Gegenkandidaturen gegen die Kandidaten der Sozialdemokratie aussichtslos 
geworden. 
Im Jahre 1904 wurden einige Veränderungen in den Personen not 
wendig. Am 14. April legte Dr. Kurt Freudenberg, durch hoch 
gradiges Leiden, dem er nur zu früh erlag, genötigt, und am 8. September 
Dr. R. Friedeberg sein Mandat nieder. Für den ersteren ward am 
31. Mai 1904 im 40. Bezirk Dr. Leo Arons, für Friedeberg (22. Bezirk) 
am 23. November Rob. Wenzels gewählt. Am 30. Mai erneuerten 
außerdem die Wähler des 32. Bezirks mit glänzender Mehrheit das Mandat 
von Karl Leid, dem in einem Prozeß wegen Majestätsbeleidigung zugleich 
mit Verurteilung zu Gefängnis seine aus öffentlichen Wahlen hervor 
gegangenen Rechte aberkannt worden waren — vier Jahre später, als 
das vom Daily-Telegraph veröffentlichte Pseudo-Interview Wilhelms II. 
die nationalistischen Gefühle des deutschen Philisters verletzte, würde 
die gleiche und gleichheitliche Anwendung dieses Strafmittels für 
dasselbe Delikt sämtliche deutsche Vertretungskörper in Einsiedeleien ver 
wandelt haben. 
„Acht Bezirke behauptet, in drei Bezirken das Mandat erobert und 
in vier Bezirken der Sozialdemokrat in Stichwahl," das war das Ergebnis 
der letzten Stadtverordnetenwahl Berlins, die noch in unsere Periode 
entfällt: die Ergänzungswahl vom 8. November 1905. Die eroberten 
Bezirke waren: 3. Bezirk Ioh. Sassenbach, 16. Bezirk Dr. I. Zadek, 
20. Bezirk Waldeck Manasse. Behauptet wurden ohne Personenwechsel 
der 15., 21., 26., 27., 33., 40. und 46. Bezirk. Im 38. Bezirk ward an 
Stelle von Franz Gleinert, der sein Mandat niedergelegt hatte, Karl Mars 
gewählt. Stichwahlen waren im 1., 6., 7. und 30. Bezirk nötig. Sie 
endeten zwar überall mit dem Sieg der Gegner, brachten aber im 7. und 
30. Bezirk die sozialdemokratischen Stimmen denen der Gegner sehr nahe, 
im ersteren erhielt I. Sassenbach 1080 gegen 1351, im 7. Bezirk Rechts 
anwalt Jos. Lerzfeld 1312 gegen 1583 Stimmen der Gegner. Im 17. Bezirk, 
wo die Nachwahl stattfand, die durch die Annullierung des Kerfinschen 
Mandats nötig geworden war, wurden 997 gegen 1208 gegnerische Stimmen 
abgegeben. 
Insgesamt war das Stimmenverhältnis bei den vier Ergänzungswahlen 
nach der Neueinteilung von 1899 das Folgende gewesen: 
1899 
Sozialdemokraten 
26 877, 
Gegner 19 588 
1901 
33 599, 
„ 10 249 
1903 
26 894, 
„ 8 854 
1905 
„ 
30 681, 
„ 10 573 
Da m den gleichen Bezirken immer nur alle sechs Jahre gewählt wird 
kann auch nur d.e Vergleichung der Wahlen vom sechsten Jahr nach jedem 
der früheren Wahljahre e.nen genaueren Maßstab für das Anwachsen der 
sozialdemokratischen Stimmen im Verhältnis der gegnerischen Stimmen liefern.
	        
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