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hältnis gar nicht unter die Regelung, dafs zwei korrespondierende
Kaufmannschaften unter sich unter den festgelegten Modalitäten eine
Reihefuhr errichteten, fiele, sondern ein völlig selbständiges, rein
privates Geschäft sei, das dadurch nicht ausgeschlossen sein sollte,
wie ja auch gerade die Mindener Schiffahrt auf einer ähnlichen selbst
ständigen Grundlage beruhe.
In der Tat hat Rolff selbst noch am ersten früher moderne
Unternehmertendenzen bewährt, wenn auch unter Verschleierung V
unter der älteren Organisation. Nun wurde die grofskapitalistische
Form deutlicher, die bereits 1853 in Bremen als die einzige Hülfe
aus der Kalamität des mühsam aufrecht gehaltenen ältereren
Systems erschien 1 )- Bei dem Regulativ von 1815 wurde die Absicht,
sich einen leistungsfähigen, einigermafsen gleichmässig bemittelten
Schifferstand zu erhalten, gegenüber der Gefahr, dafs einige nach der
französischen Zeit noch kapitalkräftige Schiffer die verarmten aus
dem Betrieb verdrängten, mit besprochen. Die 1857 durch die
Additionalakte ergänzte Weserschiffahrtsakte sah natürlich auch
noch nicht die modernen grosskapitalistischen Formen vor.
Zuletzt kam in der Vereinigung mit der Mindener Schlepp
schiffahrtsgesellschaft die Vermittlung von Bremen bis Hameln excl. f
vorübergehend an die Firma Rolff jun. & Mann in Bremen, von Hameln
aufwärts an den Norddeutschen Lloyd 2 ). Damals regte sich nochmals
Widerspruch. 1873 zog sich der Lloyd aus der Oberweserschiffahrt,
die sich als unrentabel erwies, zurück, verkaufte seine Dampfer
Germania, Armin, Wittekind und Werra an die Mindener Gesellschaft,
die Germania und Armin an eine neugegründete Gesellschaft zur
Betreibung der Personendampfschiffahrt zwischen Hameln und Karls- a
20. September 1823 erlassenen noch gültigen Verordnungen, Statuten, Tarife
usw., Minden 1859 (S. 25); Brem. Staatsarchiv; Jb. d. Hdlsk. v. Minden f.
1863, S. 11 etc.
*) Es ist die Zeit, da die Vereinte Dampfschiffahrtsgesellsohaft die ver
unglückten eisernen Kähne einstellen wollte. S. a. a. 0.
2 ) Für die Oberweserschiffahrt des Lloyd Akten des Bremer Staats
archivs. Die gedruckten Geschäftsberichte des Norddeutschen Lloyd liegen in
der Handelskammer- und in der Stadtbibliothek.
Vgl. die Vertragsentwürfe und den Vertrag 1859. 1868 kam der Vertrag
zwischen dem Lloyd und Rolff & Mann zustande. Er begegnete zuerst
Schwierigkeiten, es kam dann aber zu einer gütlichen Einigung der Interessenten.
Die Schiffer treten als Preufsisohe Schiffergesellschaft, domiziliert in Minden,
unterhalb Hameln, und als Hannoversche Schiffergesellschaft, domiziliert in
Holzminden, oberhalb Hameln, auf. Seit 1861 bestand ein Verhältnis mit der
Mindener Schleppschiffahrt wegen der Schlepplöhne und -Züge und der
Assekuranz.