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Die Termingeschäfte sind nicht eine Erfindung der Fondsbörse, sondern
sie haben sich aus dem Warenhandel herausgebildet. Weil der Termin
handel sich dort in hohem Maße bewährt hat, ist er auch auf den Effekten-
verkehr übergegangen. Eine vielumstrittene Frage, deren Beantwortung
häufig nicht von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus erfolgt, ist:
Erfüllt der Terminhandel ein wirtschaftliches Bedürfnis, oder
ist er entbehrlich, wirkt er vielleicht gar schädlich, ist er weiter nichts als
ein gemeingefährliches Spiel, eine Jobberei?
Die Notwendigkeit des Terminhandels ergibt sich aus wirtschaft
lichen und aus technisch-organisatorischen smarkttech-
nischen) Gründen. Wenn der Landwirt sein Getreide oder seine Rüben
bereits vor der Ernte verkauft, falls er dadurch einen sicheren, besseren
Preis erzielen kann, und wenn Mühlen oder Zuckerfabriken bereits
Monate vorher Käufe abschließen, um sich die Preise zu sichern — ihre
Produkte, Mehl und Zucker, sind auch bereits weiter verkauft —, so wird
dadurch das Risiko des einzelnen gemindert. Sich gegen Konjunkturen
zu schützen, ist nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht.
Der ehemalige Bankdirektor und Parlamentarier Johannes Kaempf
schreibt hierzu sin der Deutschen Wirtschafts-Zeitung): „Von wem auch der
Markt des mobilen Kapitals aufgesucht werden mag, und zu welchen Zwecken
dies auch geschehe, alle, die es tun, haben das Verlangen, die Zwecke, denen ihr
Angebot oder ihre Nachfrage dienen soll, möglichst bald sicherzustellen. Es
sei daran erinnert, daß es für ein industrielles Werk gar nicht möglich ist, eine
neue Fabrik zu errichten oder sonstige industrielle Anlagen herzustellen, daß
es für eine Eisenbahngesellschaft unmöglich ist, eine neue Linie zu bauen, daß
es für eine Gemeinde nicht möglich ist, ein Elektrizitätswerk herzustellen, daß
es für eine Landschaft unmöglich ist, ihre höher verzinslichen Pfandbriefe in
niedriger verzinsliche zu konvertieren, daß es für die Staaten nicht möglich ist,
ihre Anleihen zu emittieren, wenn sie sich nicht von vornherein gegen die Kon
junkturen, die aus den wechselnden wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen
sich ergeben, sicherstellen können."
Niemals hätte Deutschlands Industrie den Aufschwung nehmen können,
hätte ihr nicht die Börse mit ihrem gut organisierten Terminhandel, der
dann eintritt, wenn die Form des Kassahandels nicht mehr genügt, hilf
reich zur Seite gestanden. Mittels des Terminhandels können von einem
Papier an ein und derselben Börse große Posten angekauft wie verkauft
werden, ohne daß hierdurch, wie es bei solchen Summen beim Kassageschäst
der Fall wäre, eine wesentliche Kursänderung stattfindet. Auch Kapitalien,