Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

5,  Zeitgeschäfte  mit  beschränktem  Risiko  sprämiengeschäftes  ! ).
Im  Gegensatz  zu  den  Fixgeschäften,  bei  denen  der  Käufer  f  e  st  gebunden
ist,  die  gehandelten  Wertpapiere  an  dem  beim  Geschäftsabschluß  vereinbarten ­
  Tage  zum  vereinbarten  Kurse  abzunehmen,  der  Verkäufer  sie  zu
liefern,  kann  derjenige,  der  ein  Prämiengeschäft  eingegangen  ist,  auf  das
Forderungs-  oder  Lieferungsrecht,  das  er  durch  Zahlung  der  Prämie  erworben
  hat,  verzichten.  Von  seinem  Recht,  eine  bestimmte  Menge
Wertpapiere  zu  einem  vereinbarten  Kurse  fordern,  bzw.  liefern  zu  können,
wird  er  dann  keinen  Gebrauch  machen,  wenn  der  Kurs  an  dein  Tage,  an
dem  er  sich  darüber  schlüssig  werden  muß  (P  r  ä  in  i  e  n  e  r  k  l  ä  r  u  n  g  s  -
t  a  g),  für  ihn  ungünstig  ist.
Die  Prämiengeschäfte  waren  schon  in  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts
au  der  B  ö  r  s  e  v  o  n  A  m  st  e  r  d  a  m  bekannt.  In  dem  ältesten  Buch  über
die  Börse  (Don  Joseph  de  la  Bega,  Die  Verwirrung  der  Verwirrungen,
erschienen  1688  in  Amsterdams  werden  die  Prämiengcschäste,  so  >vie  sie
damals  in  Holland  üblich  ivaren,  anschaulich  geschildert.  Das  Risiko  ist,
wie  Joseph  de  la  Bega  hervorhebt,  auf  den  Betrag  der  Prämie  b  e  -
schränkt,  soweit  der  Wahlberechtigte  oder  Präinienzahler  in  Betracht
kommt,  unbeschränkt  dagegen  bei  dem  anderen  Kontrahenten.  Er
preist  die  Vorzüge  dieser  Geschäftsform  und  behauptet,  sie  erhöhen  den
Kredit  der  Beteiligten.  Jur  Gegensatz  hierzu  bezeichnet  ein  Zeitgenosse
de  la  Vegas  die  Prämiengeschäftc  als  „Köder  und  Fallstrick  für  unbemittelte ­
  Leute".
In  England  wurden  die  Prämiengeschäfte  erst  am  Ende  des
17.Jahrhunderts  eingeführt;  an  der  Berliner  Börse  finden  wir  sie  im
Jahre  1820;  zu  größerer  Bedeutung  gelangten  sie  in  Berlin  aber  erst  in
den  sechziger  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts.  In  den  letzten  Jahrzehnten ­
  vor  dem  Weltkriege  verringerte  sich  die  Zahl  der  abgeschlossenen
Prämiengeschäfte  wieder  ganz  wesentlich.
Bei  dem  großen  Kapital  und  dem  entsprechenden  Einschuß,  den  die
f  e  st  e  n  Termingeschäfte  erfordern,  dürfte  das  „Zeitgeschäft  mit
beschränktem  R  i  s  i  k  v",  das  Prämiengeschäft,  das  sogleich  mit  dem
i)  Literatur:  Vinzenz  Bronzin,  Theorie  der  Prämiengeschäste.
Wien  1908.  Max  Fürst,  Prämien-,  Stellage-  und  Nochgeschäfte.  Berlin
1925.  Adolf  Wachtel,  Prämien-,  Stellage-  und  Nochgcschäfte.  Wien  1897.

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