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betrieb oder manche Abteilung eines Riesenbetriebes in die entfernteren
Vororte Berlins verlegt. So wandern d^e Borsigschen Werkstätten von
Moabit nach Tegel, so Teile der Siemensschen Werke nach Westend,
Betriebe der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft nach Oberschöneweide,
und andere Werke, wie unter anderem große Abteilungen der Schwarh-
kopffschen Maschinenfabrik, ziehen noch weiter ins Land hinaus. Teils lassen
die steigenden Bodenpreise es als vorteilhaft erscheinen, das alte Fabrikterrain
zu parzellieren und die Fabrik nach außen zu verlegen, teils nötigt die
Unmöglichkeit, angrenzende Grundstücke für die nötig gewordene Betriebs
erweiterung zu erwerben, zur Verlegung von Betrieben, teils schreiben
sonstige technische oder Verkehrsbedingungen die Wanderung vor. Trotzdem
aber haben bis in die neueste Zeit auch in Berlin mit Vororten die Groß
betriebe an Zahl und Amfang zugenommen. In Berlin vermehrten sich die
stehenden und beweglichen Dampfmaschinen zusammen bis 1905 auf 1576 mit
123 028 Pferdekräften. In den Vororten vollzog sich in der gleichen Zeit
eine Vermehrung auf 911 bewegliche und unbewegliche Dampfmaschinen mit
zusammen 72 415 Pserdekräften. Zahlen, die denen der größten Industrie
orte Deutschlands gleichkommen.
Alles in allem gibt indes die Statistik der Fabriken und fabrikmäßigen
Betriebe nicht nur ein sehr farbloses und trockenes, sondern auch ein sehr un
vollständiges Bild von der gewerblichen Entwickelung Berlins und seiner
Bevölkerung. Außer seinen großen und weltbekannten Fabriken in den ver
schiedenen Zweigen der Metallverarbeitung, insbesondere des Maschinenbaues
und der Instrumentenfabrikation, den großartigen Etablissements der Lolz-,
Leder- und Textilstoffverarbeitung, der Masse bedeutender chemischer, optischer,
graphischer usw. Fabriken, beherbergt Berlin unzählige kleine und mittlere
Werkstätten, die der Fabrikinspektion nicht unterstehen, sowie ganze Armeen
von Leimarbeitern, darunter namentlich solche der hier zu ganz besonderer
Bedeutung gelangten Kleider- und Wäschekonfektion. Die Zahl der Arbeiter
und Angestellten all dieser Gewerbe ist erheblich größer als die der Fabriken
und fabrikmäßigen Betriebe. Wie sich die Arbeiterzahl Berlins in ihrer
Gesamtheit in der Zeitperiode vermehrt hat, die dieses Buch behandelt,
läßt sich unter anderem an der Entwickelung der Krankenkassen Berlins ver
folgen, die auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes eingerichtet oder
ihm angepaßt sind. Freilich sind diese Kassen in bezug auf die in ihnen
Versicherten nicht örtlich so abgegrenzt, daß eine gesonderte Betrachtung
Berlins und anderer Orte möglich wäre, aus denen sich Groß-Berlin
zusammensetzt. Denn da in der Regel der Ott der Beschäftigung und
nicht der Wohnort für die Bestimmung der Versicherungsstelle maßgebend
ist, haben wir in Berlin versicherte Arbeiter in Vororten, und je nachdem
in Berlin wohnhafte Arbeiter in Kassen der Vororte zu suchen. Für
unsre Betrachtung ist das aber kaum ein Nachteil. Bungen doch unter
diesen Amständen die Zahlen der Krankenkassen Berlins nur um so stärker
das Fluten des gewerblichen Lebens zur Anschauung. Die Krankenversicherung
umfaßt, neben den eigentlichen Lohnarbeitern und den schlechter bezahlten
Schichten der Angestellten in Gewerbe und Landel, auch einen großen Teil der
sogenannten Lausgewerbetreibenden, und wie sehr die Zahlen der Versicherten
sich denZahlen der von der Berufszählung ermittelten Personen annähem, zeigt
ein Blick auf die beiderseitigen Ergebnisse der Statistik von Ende 1890.