Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Beilage Nr. II. 
Gutachten v. Schöns betreffend die Unterstützung Ostp 
19. März 1824 an Rother eingesandt. 
(Geh. St. A. Rep. 89 0 XXI, Preußen Gen. Nr. 2 vol. I. Original.) 
Ostpreußen und Litthauen haben durch Krieg, geringe Getreide-Preise 
und einzelne Miß-Ernte dermaaßen gelitten, daß, wenn nicht das Gou 
vernement zutritt, eine Umwandelung des Grund-Eigenthums in einem 
so hohen Grade eintritt, daß sie mit bedeutenden Uebeln verbunden seyn muß. 
In einer kurzen Zeit durch Anordnungen des Gouvernements das 
vorhandene Uebel zu heben und den Wohlstand vor dem Jahre 1806 wieder 
hervorzubringen, ist, wie man schon in anderil Ländern und auch bei uns 
anerkannt hat, unmöglich. Es kommt daher nur auf Milderungs-Mittel an. 
Herr von Borgstede schlägt vor: 
1, Die Landschafts-Zinsen, welche von den adelichen Gütern und von 
den wenigen köllmischen Gütern, welche mit der Landschaft verbunden 
sind, gezahlt werden sollen, 10 Jahre lang mit etwa 4 Millionen Thaler, 
zu berichtigen. 
2, Die von den Gutsbesitzern zu zahlenden LandschaUs Zinsen einzu 
ziehen, und davon in den ersten 10 Jahren Etablißements Kosten 
denjenigen Gutsbesitzern, welche Bauernland annehmen, zu zahlen 
und sogenannte Betriebs Gelder zu bewilligen; 
3, nach 10 Jahren diese Vorschüße amortisiren zu laßen, und Pfandbriefe 
damit zur Vernichtung aufzukaufen; 
4, anfs Neue einen General Jndult zu bewilligen, und andere mehr ent 
fernt zur Hülfe führende als unmittelbar helfende, weniger bedeutende 
Maaßregeln zu treffen. 
Die Gabe würde hiernach zunächst der Landschaft gereicht, und von 
deni, was von den Gütern an Zinsen einkommt, würde die Unterstüzzung 
den Gutsbesitzern verabreicht. Um die der Landschaft nothwendig zu 
gebende Hülfe abmessen zu können, fehlen aber nach dem Berichte die 
Data bis auf die einzige Thatsache, daß 273661 rth. Jndult Zinsen bis 
Weihnachten 1828 zu zahlen sind, über deren wahrscheinliches Einkommen 
oder Nicht Einkommen aber auch Nichts gesagt ist. Der geforderten Summe 
von 4 Millionen Thaler mangelt daher der Beweis der Nothwendigkeit in 
Zahlen, und es ist eben so ungewiß, ob nicht 6—8 Millionen nothwendig 
seyn werden, als, ob nicht 1—1 % Millionen zureichend seyn dürften. Aus 
die Lud 2 erwähnten Zinsen ist wenigstens in der ersten Zeit wenig zu 
rechnen; denn der größte Theil der Schuldner ist selbst in der Lage, Bauer 
land angenommen zu haben und Kapital zu bedürfen. Diese würden zu 
nächst die zu zahlenden Zinsen in Anspruch nehmen, und hiernach dürfte
	        
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