Raum für wirtschaftliche Betätigung so rasch erweiterte, daß die Köpfe
und Hände nicht ausreichten, ihn zu füllen.
Produktivitätsfortschritte auf einzelnen Gebieten haben auch die
Jahrhunderte der gewerblichen Bindung aufzuweisen, so besonders Handel
und Verkehr. Der Fernhandel, als Zwischenhandel oder als Handel mit
den Produkten des heimischen Gewerbefleißes, wuchs an Bedeutung und
schuf sich seine besonderen Verkehrsinstrumente. Die Jahrmärkte und
vor allem die Messen, die schon seit dem 12. Jahrhundert auf kamen,
führten die Händler aus allen Ländern zusammen. Der Zahlungs- und
Geldverkehr paßte sich den neuen Bedürfnissen an und ging Hand in
Hand mit der Entfaltung des Bankwesens. Kapitalbörsen entstanden.
Neben See- und Flußsjphiffahrt wurde allmählich auch der Frachtverkehr
zu Lande, besonders im Anschluß an die Messen, organisiert und aus dem
mittelalterlichen Botendienst entwickelte sich seit dem 16. Jahrhundert
ein regelmäßiger Postverkehr für Nachrichten, Personen und Waren, der
durch den Bau der Chausseen im 17. und 18. Jahrhundert erheblich ge
fördert wurde. Überall, wo größere Gebiete unter einem Herrscher zu
sammengefaßt wurden, fielen die Binnenzölle, bahnten einheitliches Recht
und einheitliche Geld-, Maß- und Gewichtsysteme dem Handel den Weg.
Eine tiefgreifende Umwälzung des Fernhandels rief die Entdeckung
Amerikas, der Verkehr mit den Kolonien hervor. So erlangte für manche
Städte und Gegenden der fremde Markt neben dem lokalen Markt immer
größere Bedeutung. Doch diese Markterweiterung vollzog sich zu langsam
und war vor allem nicht umfassend genug, da die Transportmittel einen
Massenversand nicht zuließen, folglich die hohen Kosten nur von den
wertvolleren Gütern getragen werden konnten. Die Fortschritte auf dem
Gebiete des Handels und Verkehrs reichten nicht aus, um Raum für eine
neue Periode der Gewerbefreiheit zu schaffen. Immerhin: wo die Markt
ausweitung ausgiebig und nachhaltig war, mußten auch die Handwerker
Nutzen aus der neuen Absatzmöglichkeit ziehen; zunächst jene, die für
den fernen Markt arbeiteten, dann alle, weil durch die erhöhte Erwerbs
möglichkeit die lokale Kaufkraft wuchs.
Diese neue Nachfrage in der Fremde brachte nicht die Freiheit, sondern
eine neue Abhängigkeit und Bindung, die vielfach ihren Ausdruck in einer
neuen Organisationsform fand und finden mußte. Das Verlag System, die
Hausindustrie, entwickelte sich. Die Kleinheit des Handwerksbetriebes
und der Mangel an Kapital gestattete es dem einzelnen Handwerker nicht,
selbst den Fernabsatz seiner Produkte in die Hand zu nehmen, er mußte
sich eines Vermittlers bedienen. Ein Händler oder ein Handwerksgenosse
übernahm als Verleger den Verkauf der Waren einer größeren Zahl Hand
werker, Hausindustrieller, auf dem fernen Markt. Aber nicht nur auf die