Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

218

Im  24.  Bezirk  war  das  Verhältnis  ebenso  beschaffen:  der  hier  zum
erstenmal  zur  Wahl  stehende  Sozialdemokrat  P.  Schneider  erhielt  2901
gegen  36  Stimmen,  und  mit  gleichem  Stimmenverhältnis  waren  schon  1901
-er  12.,  34.,  35.,  36.  und  48.  Bezirk  teils  erobert  und  teils  behauptet
worden.  In  den  Stadtvierteln,  wo  die  Arbeiterbevölkerung  überwiegt,  waren
Gegenkandidaturen  gegen  die  Kandidaten  der  Sozialdemokratie  aussichtslos
geworden.
Im  Jahre  1904  wurden  einige  Veränderungen  in  den  Personen  notwendig. ­
  Am  14.  April  legte  Dr.  Kurt  Freudenberg,  durch  hochgradiges ­
  Leiden,  dem  er  nur  zu  früh  erlag,  genötigt,  und  am  8.  September
Dr.  R.  Friedeberg  sein  Mandat  nieder.  Für  den  ersteren  ward  am
31.  Mai  1904  im  40.  Bezirk  Dr.  Leo  Arons,  für  Friedeberg  (22.  Bezirk)
am  23.  November  Rob.  Wenzels  gewählt.  Am  30.  Mai  erneuerten
außerdem  die  Wähler  des  32.  Bezirks  mit  glänzender  Mehrheit  das  Mandat
von  Karl  Leid,  dem  in  einem  Prozeß  wegen  Majestätsbeleidigung  zugleich
mit  Verurteilung  zu  Gefängnis  seine  aus  öffentlichen  Wahlen  hervorgegangenen ­
  Rechte  aberkannt  worden  waren  —  vier  Jahre  später,  als
das  vom  Daily-Telegraph  veröffentlichte  Pseudo-Interview  Wilhelms  II.
die  nationalistischen  Gefühle  des  deutschen  Philisters  verletzte,  würde
die  gleiche  und  gleichheitliche  Anwendung  dieses  Strafmittels  für
dasselbe  Delikt  sämtliche  deutsche  Vertretungskörper  in  Einsiedeleien  verwandelt ­
  haben.
„Acht  Bezirke  behauptet,  in  drei  Bezirken  das  Mandat  erobert  und
in  vier  Bezirken  der  Sozialdemokrat  in  Stichwahl,"  das  war  das  Ergebnis
der  letzten  Stadtverordnetenwahl  Berlins,  die  noch  in  unsere  Periode
entfällt:  die  Ergänzungswahl  vom  8.  November  1905.  Die  eroberten
Bezirke  waren:  3.  Bezirk  Ioh.  Sassenbach,  16.  Bezirk  Dr.  I.  Zadek,
20.  Bezirk  Waldeck  Manasse.  Behauptet  wurden  ohne  Personenwechsel
der  15.,  21.,  26.,  27.,  33.,  40.  und  46.  Bezirk.  Im  38.  Bezirk  ward  an
Stelle  von  Franz  Gleinert,  der  sein  Mandat  niedergelegt  hatte,  Karl  Mars
gewählt.  Stichwahlen  waren  im  1.,  6.,  7.  und  30.  Bezirk  nötig.  Sie
endeten  zwar  überall  mit  dem  Sieg  der  Gegner,  brachten  aber  im  7.  und
30.  Bezirk  die  sozialdemokratischen  Stimmen  denen  der  Gegner  sehr  nahe,
im  ersteren  erhielt  I.  Sassenbach  1080  gegen  1351,  im  7.  Bezirk  Rechtsanwalt ­
  Jos.  Lerzfeld  1312  gegen  1583  Stimmen  der  Gegner.  Im  17.  Bezirk,
wo  die  Nachwahl  stattfand,  die  durch  die  Annullierung  des  Kerfinschen
Mandats  nötig  geworden  war,  wurden  997  gegen  1208  gegnerische  Stimmen
abgegeben.
Insgesamt  war  das  Stimmenverhältnis  bei  den  vier  Ergänzungswahlen
nach  der  Neueinteilung  von  1899  das  Folgende  gewesen:

1899

Sozialdemokraten

26  877,

Gegner  19  588

1901

33  599,

„  10  249

1903

26  894,

„  8  854

1905

„

30  681,

„  10  573

Da  m  den  gleichen  Bezirken  immer  nur  alle  sechs  Jahre  gewählt  wird
kann  auch  nur  d.e  Vergleichung  der  Wahlen  vom  sechsten  Jahr  nach  jedem
der  früheren  Wahljahre  e.nen  genaueren  Maßstab  für  das  Anwachsen  der
sozialdemokratischen  Stimmen  im  Verhältnis  der  gegnerischen  Stimmen  liefern.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.