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Fehlgriffe des Kartells die Zollmauer dauernd zu erniedrigen oder völlig
einzureißen — es kann nur von einer dauernden Änderung die Rede sein,
denn ein ewiges Wechseln in der Höhe der Zölle würde ganz unhaltbare
Verhältnisse herauf beschwören — wäre ein unsinniges Beginnen. Wird
die Zollpolitik anerkannt und ist die Zollhöhe im großen ganzen berech
tigt, dann darf sie auf Grund gelegentlicher stärkerer Ausnutzung seitens
einzelner Organisationen eine Änderung nicht erfahren. Eine Herabsetzung
der Zollhöhe wird also nur in den Fällen durchführbar sein, wo die ge
samten, sich als dauernd erweisenden Verhältnisse sie erfordern. Sind schon
aus diesem Grunde auch die vorübergehenden Ausfuhrzölle gänzlich ver
fehlt, so werden sie außerdem ganz andere Folgen zeitigen als beabsichtigt.
Eine Erschwerung der Ausfuhr besonders nach einem Konjunktur
umschlag wird die Krisis verschärfen und kann im ungünstigsten Falle
das Kartell zertrümmern, wodurch die Verwirrung des Marktes noch
größer wird. Bleibt das Kartell bestehen und kann es, um trotz der Zoll
mauer die Ausfuhr aufrecht zu erhalten, die Preise nicht weiter senken,
dann wird es gezwungen sein, die Erzeugung erheblich einzuschränken,
wodurch die Produktionskosten steigen und die Waren kaum zu einem
niedrigeren Preise als vor der Ausfuhrsperre im Inlande angeboten werden
können. Gleichzeitig wird der Druck der Produktionseinschränkung den
stärksten Reiz auf die Kartellmitglieder ausüben, die Weiterverarbeitung
selbst zu übernehmen. Den bisherigen Abnehmern erwächst also auch
noch neue Konkurrenz. Ganz die gleichen Wege wird der Trust einzu
schlagen suchen. Starke Produktionseinschränkung und der Versuch
durch Weiterverarbeitung in eigenen Werkstätten sich einen neuen Ab
satz zu erzwingen, sind die notwendigen Abwehrmittel gegen die Folgen
der Ausfuhrsperre, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Trust Produk
tionseinschränkungen und völlige Stillegung einzelner Werke leichter
durchführen kann als das Kartell.
Der zollfreie Veredlungsverkehr ist nicht in allen Fällen anwendbar
und kann als ein sehr mildes Mittel bezeichnet werden. Er versagt stets
völlig, wenn sich das Ausland für Rohstoffe und Zwischenprodukte auf
nahmefähiger erweist als für Fertigwaren.
Endlich bleibt noch zur Steuerung des Mißbrauchs der Monopol
gewalt die Forderung der Publizität der Statuten, Protokolle und Preise.
Die Erfüllung dieser Forderung wird die günstigsten Wirkungen aus-
iiben, da sie indirekt die Politik der Kartelle und Trusts beeinflußt und
doch eine nicht zu unterschätzende Macht besitzt. Vor allem die Aus
nutzung der Trusts zu Spekulationszwecken wird wesentlich eingeengt
werden. Man darf aber nicht übersehen, daß auch der Anwendbarkeit
der Publizität Grenzen gesteckt sind. So würde es durchaus unzweclc-