Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Germanisation der Lande zwischen' Elbe und Oder. 335 
dane oder Milcene) um Bautzen, die Lusitzer mit der Hauptburg 
Lebusa bei Schlieben. 
Gemeinsam ist den Sorben wie den Liutizen und Abodriten, 
daß sie länger noch als die Cechen, Mähren und Polen, ja 
als die Pommern, in kleine Völkerschaften mit dem Charakter 
der Geschlechterverfassung zerfielen; erst deutsches Beispiel ließ 
unter ihnen spät einzelne Familien nach der Wurde und Sorge 
größerer Herrschaft streben, ähnlich wie einst die römische 
Nachbarschaft bei den Germanen der Vorzeit zur Ausbildung 
stammumfassender Herzogswürden beitrug. 
Die Einnahme einst germanischen Landes durch die Slawen 
scheint sich überall unter wesentlich gleichen Bedingungen voll— 
zogen zu haben. Nur das leichter kultivierbare Land besiedelten sie; 
mit Kühen vor dem hölzernen Hatenpfluge wußten sie im allge— 
meinen nur weniger schwere Böden zu furchen: Bruch und Moor, 
Wald und Gestrüpp, so verbreitet in den Hängen der Mittelge— 
birge wie in den breiten Flußthälern des Ostens, blieb zumeist 
unberührt von ihnen und unbevölkert. So saßen sie überall in 
einzelnen Gruppen, die dichter Hag und weiter Sumpf voneinander 
zu trennen pflegte; die Unzugänglichkeit selbst galt als Schutz. Die 
Moräste ließen sich nur im Winter überschreiten — sehr oft 
fallen darum die Angriffe der Deutschen in diese Jahreszeit —, 
die Wälder aber wurden durch befestigte Linien, in deren Bereich 
man über gefällte Bäume hinweg dichten Jungwald wachsen 
ließ (dech. prosseka, 2utes), noch besonders unzugänglich gemacht; 
nur wenige Waldthore führten ins Freie. 
Die Ansiedlung selbst ging in Familien und Sippen vor sich. 
—äDDD 
(Zupaneo, Starosten) ein besonderes Dorf, dessen Höfe im Kreis— 
rund oder in einer breiten Gasse, mit dem Blick auf den inneren 
Raum erbaut wurden. Ihre Insassen lebten anfangs im vollen 
Kommunismus der ländlichen Arbeitsmühen und des Ertrages; erst 
die Urenkel, die Nachkommen der dritten Generation des ursprüng 
lich besiedelnden Ältesten, pflegten zu teilen und nach der Zahl 
ihrer Großväter neue, kleinere Kommunionen zu begründen, 
die sich dann in den kommenden Geschlechtern unter immer
	        
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