Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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wiesen. 1 )  Die  Firmen  Friedrich  Wilhelm  Neukirch  und  Louis  Neukirch,
aus  den  beiden  Stammhäusern,  traten  in  das  moderne  innerstädtische
Grofsfuhrwerk  über.
Eine  halbkapitalistische  Organisation,  in  der  ältere  Prinzipien
modifiziert  in  Erscheinung  treten,  wie  sie  auf  einigen  Fuhrwerksrouten
z.  B.  zwischen  Hamburg  und  Lübeck,  zu  stände  kam 2 ),  indem  die  Kaufleute ­
  beider  Plätze,  die  in  dem  betreffenden  Verkehr  standen,  sich  zusammentaten, ­
  ein  Maklerbureau  beauftragten  oder  einrichteten  und  eine
Anzahl  Fuhrleute  fest  verpflichteten,  die  dann  nach  der  Reihe  die
vorfallenden  Transporte  zu  besorgen  hatten,  ist  in  Bremen  wegen  der
strengen  öffentlichen  Güterbestederorganisation  ebenfalls  unmöglich
gewesen.  Doch  ist  nach  ähnlichen  Prinzipien  im  neunzehnten
Jahrhundert  der  Oberweserverkehr  mit  Betonung  des  privaten
Charakters  einer  Einigung  unter  den  Kaufleuten,  und  unter  Ausschaltung ­
  der  älteren  Schiffergilden,  organisiert  worden,  naturgemäfs
mit  ziemlich  engen  Anschlufs  an  die  alten,  allerdings  mehr  öffentlichrechtlichen,
  Formen  des  achtzehnten  Jahrhunderts.
Die  Eisenbahn  selbst  steht  ja  als  Verbindung  von  Vehikel  und
Weg  in  engstem  Zusammenhang  mit  dem  Kapitalismus,  der  auch
dem  Staat  die  Mittel  organisiert  und  die  älteren  Formen  der  freien
Arbeit,  die  die  persönliche  Assoziation  der  Zünfte  und  Gilden
bietet,  ablöst. 8 )
Für  die  Fuhrmannsorte  des  Bremer  Handelsrayons  habe  ich
sehr  reichhaltige  Quellen,  so  dafs  hier  eine  ziemliche  Vollständigkeit
zu  erreichen  war.
Es  gibt  Gegenden,  die  von  dem  durchziehenden  Verkehr  gänzlich ­
  ihr  Gepräge  erhalten  haben,  Bauerschaften  im  Flachlande,  wo
das  Fahren  das  allgemeine  Nebengewerbe  der  greiseren  Bauern 4 )  war,
und  Strafsengegenden  im  Gebirge,  wo  wegen  des  durchziehenden
‘)  Die  Ansicht,  dafs  das  sein  müsse,  spricht  H.  Smidt  in  einem  Brief  an
den  Assessor  v.  Keden  in  Hameln  vom  8.  August  1840  aus  (Bremer  Staatsarchiv). ­
  Die  Spediteure  sträubten  sich  natürlich  sehr  gegen  die  Ausschaltung,
vergl.  N  o  b  a  c  k  cit.
2 )  Vergl.  E.  Baasoh,  Forschungen  zur  hamburgischen  Handelsgeschichte,
III.  Bd„  S.  63.
a )  Ich  mufs  wegen  der  näheren  Schilderung  der  Organisation  und  ihrer
namentlich  auch  älteren  Zusammenhänge  auf  die  gröfsere  Darstellung  des
deutschen  Frachtfuhrwesens,  an  der  ich  arbeite,  verweisen  und  meine  bereits
in  meiner  Schrift  zur  Geschichte  der  alten  Handelsstrafsen  ausgesprochene
Bitte,  die  in  Bezug  auf  Frachtfuhrwesen  und  Beziehungen  dazu  gegebenen
Anregungen  nicht  zu  benutzen,  wiederholen.
4 )  Im  19.  Jahrh.  entwickelt  sich  auch  im  Flachland  zuweilen  Häuslingsund ­
  Anbauerfuhrwerk  als  Haupterwerb,  z.  B.  in  Brökel.  (Statist,  d.  Kgr.  Hannover, ­
  II.  H.,  2  Abt.,  Erläut.,  S.  43.  Vgl.  Patje  u.  Bremer  Staatsarch.)
            
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