Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Die  Ausgaben  zeigen  in  ihren  einzelnen  Teilen  nicht  die
großen  Verschiedenheiten  wie  die  Einnahmen,  welche  letztere  durch
die  Örtlichkeit,  die  Natur  der  Arbeiten  und  die  Organisation  der
Gesellschaft  stark  beeinflußt  werden:
Die  Ausgaben  sind  die  Folge  von  Bedürfnissen,  wie  sie  sich  aus  der
Natur  des  Menschen  ergeben.  Ihre  Verschiedenheiten  beanspruchen  zwar
großes  Interesse  und  müssen  durch  die  Methode  in  allen  Einzelheiten  untersucht ­
  werden.  Aber  immer  werden  sie  von  den  Bedürfnissen  des  Menschen
entscheidend  bestimmt  *).
Le  Play  teilt  die  Ausgaben  in  fünf  Abteilungen:  a)  Nahrung,
b)  Wohnung,  c)  Kleidung,  d)  Ausgaben  für  moralische  Bedürfnisse,
Erholung  und  Gesundheitsdienst,  e)  solche  für  eigene  Nebenarbeiten,
Schulden,  Steuern  und  Versicherungen  (Betriebsausgaben).
Wir  wollen  uns  hier  nur  mit  der  vierten  Abteilung,  also  mit
den  Ausgaben  beschäftigen,  welche  geistigen  Bedürfnissen  und
der  Körpergesundheit  dienen.  Wenn  diese  Ausgaben  auch
rein  zahlenmäßig  im  Budget  keine  große  Bolle  spielen,  so  legt  doch
Le  Play  auf  sie  großen  Wert;  er  sagt  geradezu:
Man  erhält  durch  diese  Untersuchung  nicht  nur  über  das  materielle
Leben  Aufklärung,  sondern  auch  über  das  intellektuelle  und  sittliche  Leben.
Wie  die  Monographien  der  „Ouvriers  europeens“  zeigen,  gibt  es  in  der  Lebensweise ­
  des  Arbeiters  kaum  ein  Gefühl  oder  eine  erwähnenswerte  Handlung,
die  nicht  im  Budget  der  Einnahmen  oder  Ausgaben  ihre  Spur  hinterließe 1  2 ).
Wenn  auch  manche  dieser  Bedürfnisse  vom  modernen  Staate  befriedigt ­
  werden,  ohne  das  Budget  der  einzelnen  Staatsangehörigen
direkt  zu  belasten,  so  bleibt  doch  dem  Einzelnen  noch  viel  zu  tun
übrig.  So  erwähnt 3 )  Le  Play  z.  B.  die  jährlichen  Seelenmessen,  die
in  katholischen  Gegenden  für  die  Verstorbenen  der  Familie  gelesen
werden,  und  er  ist  geneigt,  aus  solchen  in  Geld  meßbaren  seelischen
Bedürfnissen  weittragende  Schlüsse  zu  ziehen.  Er  sagt:
Die  regelmäßige  Feier  dieser  Jahresgedächtnisse  und  der  Pomp,  der  dabei
entfaltet  wird,  sind  in  vielen  Fällen  ein  ausgezeichnetes  Maß  der  Stärke  oder
der  Schwäche  der  sittlichen  Gefühle.
Ebenso  deuten  Ausgaben  für  Versicherungen,  Anlage  von  Ersparnissen ­
  usw.,  worin  sich  die  Wirtschaftlichkeit  einer  Familie  zeigt,
auf  einen  höheren  sittlichen  Zustand  als  das  vollständige  Fehlen
solcher  Ausgaben;  oft  werden  sie  der  Lage  der  Dinge  nach  nicht

1 )  0.  E.,  1.  Aufl.,  31.
2 )  0.  E.  I,  237.
3 )  0.  E.,  1.  Aufl.,  41.
            
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