Full text : Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

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berufliche  Kenntnisse  vermitteln.  Sie  ist  also  Berufs-  und  Erziehungsschule ­
  zugleich.  Auch  für  die  weibliche  Jugend  muß  die  Fortbildungsschule ­
  gefordert  werden,  damit  die  geistige  Entwicklung  der  jungen
Mädchen,  von  der  so  viel  abhängt  für  die  Zukunft  unserer  Frauenwelt,
besonders  der  unteren  Stände,  in  richtige  Bahnen  gelenkt  werde.
Daneben  soll  die  Fortbildungsschule  auch  beruflichen  Zwecken
dienen  und  durch  eine  Erweiterung  der  Fachkenntnisse  die  Leistungsfähigkeit ­
  der  Frauen  heben.  Leider  sind  die  meisten  jungen  Mädchen
im  Anschluß  an  die  Schule  gezwungen,  einen  Erwerb  zu  suchen.  Bei
diesen  kann  die  Fortbildungsschule  gegen  einen  untüchtigen  und  minderwertigen ­
  Stand  der  Angestellten  ankämpfen.
Über  die  Notwendigkeit  von  Fortbildungsschulen  herrscht  kein
Zweifel,  über  die  Organisation  aber  gehen  die  Ansichten  stark  darüber
auseinander,  ob  Haushaltungsschule  oder  nur  Fachschule.  Sicherlich
haben  infolge  der  Berufsarbeit  nur  wenige  Frauen  Gelegenheit,  sich
auch  die  notwendigen  Kenntnisse  für  die  Leitung  eines  Haushaltes  zu
erwerben,  und  es  ist  gewiß  begreiflich,  wenn  die  Fortbildungsschule
bestrebt  ist,  diesem  Mangel  abzuhelfen.  Jedoch  kann  das  Ziel  einer
guten  Berufsbildung,  gleichwertig  der  der  männlichen  Arbeitskräfte,
nicht  erreicht  werden,  wenn  der  Unterricht  auch  noch  mit  außerberuflichen ­
  Lehrstoffen  belastet  wird.  Deshalb  muß  der  Haushaltungsunterricht ­
  aus  dem  Lehrplan  der  gewerblichen  und  kaufmännischen  Fortbildungsschulen ­
  gestrichen  werden.  Der  Einwand  gegen  einen  ausschließlichen ­
  Fachunterricht,  daß  Frauen  in  der  Begel  ihre  Beschäftigung
nur  als  Übergangsstadium  bis  zur  Heirat  betreiben,  ist  nicht  mehr
beweiskräftig  genug,  da  jetzt  Frauen  die  kaufmännische  Tätigkeit  vielfach ­
  als  Lebensberuf  ergreifen  und  oft  auch  während  der  Ehe  weiterführen. ­
  Bei  den  kaufmännischen  Fortbildungsschulen  ist  überdies  eine
weitere  Spezialisierung  nach  der  Art  der  Beschäftigung  zu  wünschen.
Denn  die  Anforderungen,  die  in  beruflicher  Hinsicht  an  das  Kontorund ­
  an  das  Verkaufspersonal  gestellt  werden,  sind  so  verschieden,  daß
diese  Verschiedenheit  Berücksichtigung  verdient.  Dem  Verkaufspersonal
müßte  es  ermöglicht  werden,  in  Verkäuferinnenklassen  die  Mängel  der
Vorbildung  allmählich  zu  beseitigen.
Bei  uns  herrscht  augenblicklich  noch  vielfach  die  freiwillige  Fortbildungsschule, ­
  da  es  sich  bis  jetzt  besonders  die  kaufmännischen  Angestelltenvereine ­
  angelegen  sein  ließen,  für  die  Gründung  von  Fortbildungsschulen ­
  zu  sorgen.  Ihre  Erfolge  sind  zweifellos  günstige.  Da
aber  diese  Verbände  ganz  auf  private  Mittel  angewiesen  sind,  leiden  sie
sehr  unter  finanzieller  Beschränkung.  Weiterhin  wirkt  aber  ungünstig,
daß  der  Besuch  dieser  Schulen  freiwillig  ist.  Infolgedessen  sind  die
Angestellten  oft  gehindert,  von  dieser  Bildungsgelegenheit  Gebrauch
            
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