fullscreen: Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil 
19. Jahrhundert ist überhaupt seßhafter als das 15. und 16. und es 
ist ein Irrtum, etwa das Umgekehrte anzunehmen“ !). Es liegen auch 
eine ganze Reihe anderer Arbeiten vor, die den Umfang dieser 
Wanderbewegung nach den Städten in der damaligen Zeit 
quellenmäßig belegen ?). Von besonderem Interesse sind die An- 
gaben, die z. B. Doren über die städtische und ländliche Herkunft 
der Mitglieder der Kölner Kaufmannsgilde macht, die in ganz erheb- 
lichem Umfang vom Lande stammten ®). Püschel*) hebt die be- 
trächtliche Verschiebung hervor, die sich damals in Deutschland voll- 
zogen hat und meint dazu, daß der gewaltige Überfluß an Menschen, 
den die ostdeutsche Kolonisation voraussetzt, sich jetzt im Innern 
Deutschlands in einem starken Anwachsen der Städte gezeigt habe. 
„Wo diese dünn gesät waren, wurden neue gegründet, die bereits 
bestehenden wurden oft in ganz kurzer Zeit um ein erhebliches er- 
weitert, so stark meist, daß sie dann mehrere Jahrhunderte durch in 
ihrer äußeren Entwicklung stillstanden.“‘ Below meint zu dieser 
Frage: „Die Städte jener Zeit haben eine starke Einwanderung; 
jeden Augenblick erscheinen neue Personen in der Stadt .. . aller- 
dings war in jener Periode des schnellen Wachstums der Bevölkerung 
die Vervollständigung durch Einwanderer etwas ganz selbstverständ- 
liches, von den Zunftmitgliedern hatten viele ihren Geburtsort aus- 
wärts 5). 
Es lagen ja auch genug Gründe vor, solch starke Einwanderung 
herbeizuführen. Daß wir trotz der Pest im 14. und 15. Jahrhundert 
mit einer erheblichen Zunahme der Bevölkerung auf dem Lande 
rechnen müssen, ist bereits hervorgehoben worden. Wanderungen 
vom Lande nach der Stadt bedeuteten zunächst für den Hörigen 
die Erringung persönlicher Freiheit.“ „Stadtluft macht frei.“ Der 
Zuwanderer verbesserte also seine soziale Stellung. Wir müssen 
auch daran denken, daß mit wachsender Volkszahl sich auf dem 
') E. Eulenburg, Die Frequenz d. deutschen Universitäten, 1904, S. 42. 
?) Vgl. dazu A. Knieke, Die Einwanderung i. d. westfälischen Städten bis 
1400, 1893. — C. Schu6, Einwanderung in Emmerich, vornehmlich im 15. Jahr- 
hundert. Festgabe f, Finke, 1904. — H. Bungers, Beiträge z, mittelalterlichen 
Topographie, Rechtsgeschichte u. Sozialstatistik d. Stadt Köln, 1897. — E. Otto, 
Die Bevölkerung d. Stadt Butzbach während d. Mittelalters, 1893. — K. Bücher. 
Die Bevölkerung d. Stadt Frankfurt a. M. im 14. u. IS. Jahrhundert, 1886. 
3) Doren, Untersuchungen z. Geschichte d. Kaufmannsgilden d. Mittelalters, 
1893, Anhang 3. 
4) A. Püschel, Das Anwachsen d. deutschen Städte i. d. Zeit d. mittelalter- 
lichen Kolonialbewegung, 1910, S. 9. 
5) Below, Probleme, a. a. O., S. 283.
	        
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