fullscreen: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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bestehen, die Mitglieder könnten sich, wie es im Erkenntnis des Reichs 
gerichts hieß, „gegenseitig selbst ausnehmen". Der grundsätzlichen Bedeutung 
halber wurde die Berufung gegen die Auflösungserkenntnisse bis in die höchsten 
Instanzen gebracht, blieb aber, wie der zitierte Spruch des Reichsgerichts 
gezeigt hat, fruchtlos. Im November 1895 erfolgte der Köllerstreich 
gegen die sozialdemokratische Partei, und für eine Reihe von Jahren war 
die Schaffung irgendwelcher öffentlichen Organisation für die sozialistische 
Frauenwelt Berlins wieder von der Tagesordnung abgesetzt. 
Das hieß indes durchaus nicht, daß die Agitation nun einschlief. Sie 
erlitt so gut wie keine Unterbrechung. Waren doch die Personen noch da, 
die sich ihr gewidmet hatten, und weit entfernt, sie einzuschüchtern, konnten 
die Nadelstiche der kleinlichen Verfolgungen auf sie nur aufstachelnd wirken, 
zumal ihnen ja die Presse weiterhin zur Verfügung stand und auch das 
Versammlungsrecht ihnen nicht mehr genommen werden konnte. Zu 
fast allen Parteitagen hatten die Berliner Parteimitglieder auch weibliche 
Delegierte entsandt, und das geschah auch weiterhin. Auf dem sozialdemo 
kratischen Parteitag des Jahres 1895 sind die sozialdemokratischen Frauen 
Berlins durch Bertha Lutz und Martha Rohrlack vertreten, 1896 und 
1897 sind die Delegiertinnen Berlins Fräulein Ottilie Baader, die nun 
agitatorisch immer mehr in den Vordergrund tritt, und Frau Marie Greifen- 
berg. Der Parteitag von 1896, der als einen besonderen Punkt der 
Tagesordnung die sozialistische Agitation unter den Frauen behandelte, 
nahm hierzu unter anderen eine Resolution an, die den Genossen empfahl: 
„In allen Orten, wo es zu ermöglichen, in öffentlichen Versamm- 
lungen die Wahl von weiblichen Vertrauenspersonen vorzu 
nehmen. Die Aufgabe dieser Vertrauenspersonen ist: Aufklärung unter 
den proletarischen Frauen in politischer und gewerkschaftlicher Linsicht, 
Erziehung zum und Stärkung des Klassenbewußtseins zu schaffen und 
eine diesen Aufgaben entsprechende planmäßige Agitation zu betreiben." 
Auf Grund dieser Resolution ward von den sozialistischen Frauen 
Berlins im November 1896 Frau M. Wenzels zur Vertrauensperson
	        
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