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also noch Einkommensteile erspart, die jetzt als Mehrnachfrage nach irgend
welchen anderen Produkten auftreten können. Das vorläufige Resultat
unserer Untersuchung zeigt, daß die durch die Füllernte hervorgerufene
Preisverschiebung eine mehr oder minder starke Verschiebung der Kon
sumkraft der Landwirte und Konsumenten bewirkt. Einer Ausdehnung
hier entspricht ein Einschrumpfen dort. Da sich aber der Bedarf der beiden
Gruppen nicht durchweg auf dieselben Güterarten erstreckt, kann die
Mehmachfrage durch die Mindernachfrage nicht vollständig kompensiert
werden. Die notwendige Folge ist also eine Ausweitung der industriellen
Erzeugung auf der einen, eine Einschränkung auf der anderen Seite.
Die Wirkungen der Füllernten ziehen aber noch weitere Kreise, das
Resultat bedarf noch einer Modifizierung. Es stehen sich nicht Erntner
und Konsumenten direkt gegenüber, sondern es schieben sich noch eine
Reihe Zwischenglieder ein. Der auf den Feldern gewonnene Rohstoff
muß ja erst in konsumreife Produkte verwandelt, muß industrialisiert
werden; je größer das Mehrprodukt der Ernte, desto größerer Mehrauf
wand ist nicht nur in der Landwirtschaft, um die Ernte herein zu bringen,
sondern auch in der Industrie zur Bearbeitung notwendig. Handelt es
sich um eine Füllernte an Getreide, so müssen Müllerei, Bäckerei, Brauerei
und Brennerei eine Mehrarbeit verrichten als bei einer Normalemte. Ist
der Ertrag an Wolle, Flachs oder Baumwolle ungewöhnlich reich ausgefallen,
so haben Spinnerei, Weberei, Färberei, die Kleider- und Wäschebranchen
diese Aufgabe zu erfüllen. Hat die Fruchtbarkeit einen reicheren Vieh
bestand zur Folge, so haben Metzgerei und Lederindustrie mit einem
Arbeitsplus zu rechnen. Von der Rübenernte hängt die Tätigkeit der
Zuckerindustrie, von der Weinernte die der Kellereien, Böttchereien und
Flaschenindustrie, von der Obsternte die der Konserven- und Marmeladen
industrie usw. ab. Weiterhin: Nach den Verarbeitern der Rohstoffe folgen
die Händler und überall zwischen Urproduzenten, Verarbeitern und Kon
sumenten schiebt sich das Transportgewerbe ein. Sie alle haben je nach der
Größe der Füllernte eine Mehrleistung zu erfüllen. Der Zuwachs an Reich
tum und Kaufkraft, der sich ursprünglich in den Händen der Landwirte
angesammelt hatte, muß, ehe er den Konsumenten erreicht, alle diese
Etappen passieren und überall bleibt, je nach der Gunst der Verhältnisse,
ein größeres oder geringeres Quantum hängen. Deshalb muß sich auch
die Preisgestaltung etwas anders vollziehen, zumal auch die Kaufkraft
des letzten Konsumenten, wie ursprünglich angenommen, nicht gleich
bleibt.
Den Urproduzenten steht die verarbeitende Industrie gegenüber. Sie
muß für die anormal große Rohstoffmenge einen Preis zu erlangen
suchen, der ihr die Sicherheit gibt, daß die Endprodukte von den Kon-
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